4.4.2.10 Globale HVL-FunktionsanalyseFenster schließen

Um eine teilweise oder komplette Insuffizienz des Hypophysenvorderlappens zu identifizie¬ren, hat sich ein Verfahren bewährt, das in einem einzigen Untersuchungsgang die einzelnen HVL-Funktionen in einem kombinierten dynamischen Testverfahren erfaßt.

Indikation:
Intra- oder suprasellärer Prozeß (röntgenologische Sella-Veränderungen in Schichtaufnahme und im CT), Chiasma-Syndrom (bitemporale Hemianopsie und andere Gesichtsfeldausfälle), Sheehan-Syndrom (postpartale HVL-Insuffizienz), Ausschluß weiterer begleitender Partialinsuffizienzen des HVL bei bereits nachgewiesener Partialsuffizienz der Hypophyse (hypophysärer Kleinwuchs, sekundäre Hypothyreose, sekundärer Hypogonadismus).

Abnahmematerial:
Je 1.5 ml Serum (entsprechend mindestens 4 ml Vollblut), 5 ml EDTA Blut und 2 ml NaF Blut zu den Zeitpunkten basal, 15 min, 30 min, 60 min, 120 min.aus liegender Verweilkanüle

Testdurchführung:
Zweistündige Ruhepause.
1/2 Stunde vor Abnahme der Basalwerte wird eine Verweilkanüle gelegt, die während des gesamten Testverlaufs durch eine NaCl-Infusion offengehalten wird. Nach der Entnahme von Blut für die Basalwerte erfolgt kurz nacheinander die Injektion von 100 μg Gonadotropin-Releasinghormon (LH-RH), 200 μg Thyreotropin-Releasinghormon (TRH) und 0,1 Einheiten pro kg Körpergewicht Altinsulin. Während des gesamten Testablaufs muss sichergestellt sein, dass ein ausreichender Hypoglykämieimpuls eingetreten ist (Absinken des Glucosewertes unter 40 mg/dl).
Falls dieser Wert nicht erreicht wird, sind die erhaltenen Stimula¬tionsergebnisse für ACTH, Cortisol und STH zweifelhaft. Bei unvoll¬ständiger Hypoglykämie sollte ggf. eine Nachinjektion von Insulin vorgenommen werden. Bei einmal erreichter Hypoglykämie kann diese jederzeit durch Glucosezufuhr unterbrochen werden, ohne dass sich dies ungünstig auf die Testergebnisse auswirkt. Bei Patienten über 60 Jahre, bei Nachweis einer Koronarinsuffizienz und bei Diabetikern ist dieser Hypoglykämietest nicht durchführbar.

Referenzwerte:
Basal- und Stimulationswerte der Hormone s. entsprechende Hormone und Einzelfunktionstesten

Hinweise:
Streßsituationen vor dem Test sind zu vermeiden, da hierdurch erhöhte Basalwerte für ACTH, Cortisol, STH und Prolactin erzeugt werden und der weitere typische Ablauf ent¬scheidend gestört wird.

Folgende Medikamente sind unbedingt abzusetzen:
Cortison, Östrogene, Cyproheptadienhydrochlorid, Phentolamin, Theophyllin, Phenoxy-benzamin, Ergotamin, Reserpin, Chlorpromazin, Biperiden, Diazepam, L-Dopa, Propranolol, Clonidin, Amphetamin, Metoclopramid, Apomorphin und Bromocryptin.
Die Insulinhypoglykämie erzeugt im Sinne eines unspezifischen Reizes unter normalen Bedingungen einen deutlichen Anstieg von ACTH, Cortisol und Wachstumshormonen im Plasma. Die Injektion des Thyreotropin-Releasinghormons führt normalerweise zu einer gesteigerten Sekretion des thyreotropen Hormons (TSH). Die Injektion des Gonadotropin-Releasinghormons führt zu einer vermehrten Sekretion von LH und in geringem Maße von FSH.
Zur Interpretation des Testverlaufs sind klinische Angaben unbedingt erforderlich!